Duisburgruen2009


Leistungsdruck im Vorschulalter

Ich gebe ja auch Schwimmkurse. Das mache ich vertretungsweise im Rahmen der Offen Ganztagsgrundschule mit einem breiten gesellschaftlichen Spektrum und regelmäßig für meinen Sportverein, der doch recht elitär ist und sich hauptsächlich aus BesserverdienerInnen zusammensetzt. Nach einer dieser Stunden kam eine Schwimmerin ganz stolz aus der Dusche in die Umkleide, wo ihre Eltern warteten, um zu berichten, dass sie nun endlich den “Schwanz vom Seepferdchen” hätte. Bei den Eltern verfinsterte sich sofort die Miene, man war tief enttäuscht und machte dem Kind deutlich, dass es gescheitert war, wollte nochmal mit der Schwimmlehrerin reden, so ginge das ja nicht.

Ich war auch enttäuscht. Ich war so froh, dass meine Kollegin eine nette Formulierung für “du hast das Seepferdchen” nicht ganz geschafft, gefunden hatte und fand es toll wie sich das Mädchen so über den Schwanz freute – den Rest kann man ja auch noch später machen. Statt ihrem Kind zu helfen, es zu ermutigen, wurde es erstmal angemotzt und das im Vorschulalter.

Warum ich das erzähle? Weil das für mich dafür steht, dass der Leistungsdruck immer weiter um sich greift. Als wenn es nicht schlimm genug wäre, wenn Kinder in der dritten Klasse auf Ziffernnoten reduziert werden, nein jetzt müssen sie vor der Einschulung schon Englisch können und eben auch Schwimmen – das alles natürlich nur gut gemeint, wegen der Zukunft und so.


Wahlforum

Auf dem Wahlforum gab es Streit – aber leider hat er nichts gebracht. Die ganze Geschichte ist sowas von verfahren, die Gräben sind alle sehr, sehr tief. In der Partei, um die Partei. Achso, die Gräben sind nicht nur tief, auch einige Freundschaften sind fester, als sich das manch eineR wünschen würde.

Hoffentlich wird das besser.


Anti-Atom-Demo

War am Samstag auf der, nein besser: einer Demo, denn es gab ja zwei. Einige waren in Dortmund und es ging drum, gegen die Naziveranstaltung zum Anti-Kriegstag Flagge zu zeigen. Da wurden dann wohl auch gleich einige AntifaschistInnen inhaftiert – wie sich das halt gehört. Ich war nicht da, sondern habe das gnadenlos solidarische Angebot des Sonderzugs (15Euro hin und zurück) genutzt und Berlin genossen. Die Demo an sich hatte ordentlich etwas vom Grünen Wahlkampfauftakt und das war schade. Ich finde von den Grünen unterstützte Demos super, aber Demos, die den Eindruck erwecken, sie dienten nur dazu, kurz vor der Bundestagswahl nochmal Demostrationsfähigkeit (also In-Sein, Radikalität, Coolness) zu unterstreichen, dann werden sie von Marketingveranstaltung nur sehr schwer trennbar. Diese Grünenprägung wurde vor allem dadurch deutlich, dass alle Grünenbanner hatten und da frage ich mich dann: Leute, wollt ihr hier Parteiwerbung machen oder gegen Atomkraft kämpfen. Und: wenn ihr letzteres mit ersterem kombinieren möchtet, dann druckt/sprayt euer Emblem doch auf einen themenspezifisches Banner. Aber genug gemeckert, ohne die Grünen wär die Demo sicher nicht so voll gewesen.

Und der zweite Teil, die Kundgebung war wirklich genial. Da waren all diejenigen, die ich bis dahin vermisst habe, nämlich die Treckermenschen aus dem Wendland, ein bisschen Straßentheater, gute-Laune-Musik, (zwar war’s kalt aber dafür) war Sonne da, ein bisschen Kino, einige Infostände und und und

Achso, toll war übrigens auch, dass die Mehrheit des grünen Kreisvorstands anwesend war.


Einmal im Fraktionsvorstand

Montags trifft sich der Fraktionsvorstand im Rathaus und bespricht die nächsten Projekte. Diesmal ging es natürlich um die Bewertung der Wahl. Einige meinten, das Ergebnis sei der Wunsch nach einer linken Mehrheit. Andere warnen vor der SPD, wieder andere wollen kein schwarz-grün, wenn die BU benötigt wird. Das sorgte dann wieder für große Aufregung bei anderen, die die BU nicht als rechts bezeichnen wollen.

Für mich ist das Ergebnis eine Schlappe für schwarz-grün und ich fürchte, wenn sich die Partei nochmal für diese Option entscheidet, dann gibt es beim nächsten Mal eine absolute SPD-Mehrheit. Aber gut – das müssen die Gremien jetzt beraten und danach wissen wir mehr.


Wahlparty und Katerstimmung

Komme gerade von der Wahlparty der Grünen im Finkenkrug. Alles in allem war es ganz nett, dafür dass wir Grüne gegen den Landestrend ganze 1,5 Prozentpunkte und damit ein BV- und ein Ratsmandat eingebüßt haben. Aber das ist natürlich auch kein feierliches Ergebnis. Wie es jetzt weitergeht, weiß ich auch nicht. Für mein Befinden wurde Schwarz-Grün abgestraft und ich habe im Gefühl, dass das keinen konkreten auf Duisburg bezogenen Grund hat, sondern einfach damit, dass unsere Wähler schwarz-grün nicht wollen. Doris’ Ergebnis ist aus zweierlei Gründen so schlecht: Z.B. haben viele Grünen-SympathisantInnen Sauerland gewählt und diejenigen, die Doris wählen wollten, waren möglicherweise von der WAZ/NRZ abeschreckt. Wieder andere waren möglicherweise einfach nicht mit ihrem Politikstil zufrieden.

Irgendwann sind noch Sauerland und Mahlberg gekommen, was eigentlich sehr nett von ihnen war – schließlich haben sie den OB-Sieg ein bisschen mit uns geteilt :] Ich wurde dann noch in eine Diskussion über die CDU verwickelt und musste begründen, warum ich mit den schwarzen so schlecht zurechtkomme(n will). Für mich ist die CDU eine konservative Partei in der auch einige rechte Gedanken kursieren (Volker Mosblech) und damit verläuft die rote Linie, über die ich nicht zu treten gewillt bin, auch durch die CDU. Hinzu kommen dann noch so Geschichten wie der Familienbegriff, die Atompolitik oder Arbeitszwang. Deshalb bitte keine schwarz-grüne Neuauflage. Wir wurden abgestraft und müssen uns neu aufstellen.


Anarcha Feminismus

War auf einem Vortrag den FAU Duisburg organisiert hat. Es ging um Anarcha Feminismus, das hörte sich alles ganz gut an. Habe mir die Broschüre mitgenommen und informiere euch dann nochmal. Das Problem war nämlich, dass der Vortrag eher die Lesung der Broschüre war, wobei dies mit starkem schweizerdeutschen Dialekt geschah. Deshalb besser selbst lesen.


Brachlandparty

Wieso gibt es in Duisburg so selten semi-legale Partys mit Feuer, Musik und Tanzen, wenn es doch so viele Brachflächen gibt. Der Ausblick auf die Industrieanlagen war grandios.


Heß statt Brandt, Sauerland oder Janicki

So bitter es sich anhört, ist es auch. An der Von-Der-Mark-Str. in Meiderich nahmen Unbekannte Plakate ab und hingen statt derer Heß-Plakate auf. Pikant dabei ist, dass es der WAZ/NRZ nicht wert war, das im Duisburgteil zu erwähnen. Ein Hoch auf die christlich-konservative RP, der Link zum indy-Artikel hier.


Braune Sticker in Ungelsheim

Beim Verteilen der ersten Fuhre ErstwählerInnenbriefe in Ungelsheim wurde noch einmal deutlich, dass Rechtsextremismus auch im Duisburger Süden Thema sein muss. An zwei Laternen habe ich große Aufkleber der Jungen Nationaldemokraten, also der Jugendorganisation der NPD, gefunden. Die JN fordern dort, sich Pädophilend bedienend, die Todesstrafe wieder einzuführen. An einer dritten Laterne klebt ganz plump “Wählt NPD”. Ich möchte, dass sowas thematisiert wird und Alt wie Junge Klebies dabei haben und solchen Schund zu überkleben. Das ist natürlich nur eine Kleinigkeit, weiter geht es damit, auf einer Podiumsdiskussion auf dem Dorfplatz sowas zu thematisieren, denn wenn es im duisburger Süden keine Kameradschaft gibt, so gab (gibt?) es doch zumindest Bestrebungen, eine solche aufzubauen.

Aufkleber gibt es unter anderem bei antifa.de, Sunrise Mailorder, Straßen aus Zucker und dem duisburger Grünenbüro.


Pilgern auf Französisch

Leider bin ich etwas zu spät gekommen – nichtsdestotrotz: war super. Der Film ist klasse, ein echter gute-Laune-laue-Sommernachts-schön-Wetter-mit-Anspruch-Film. Glaub’ die DuisburgerInnen dachten das auch, waren zumindest viele, viele Menschen da. Auf mehr OpenAirKinos…